Kapitel 2

2

🪞 Ebenbild Gottes – unsere Aufgabe

Wer sind wir – und wozu sind wir da?


🌍 Einstieg: Was bedeutet „Ebenbild Gottes"?

In Genesis 1 heißt es: Der Mensch ist „im Ebenbild Gottes" geschaffen.

Aber was heißt das eigentlich? Die meisten denken zuerst an innere Eigenschaften:

  • Ist es unsere Fähigkeit zu denken?
  • Unsere Kreativität?
  • Unsere Fähigkeit zu lieben?

Das kann alles Teil davon sein – greift aber zu kurz.

💡 Die entscheidende Einsicht:
„Ebenbild" ist keine Eigenschaft, die wir haben – sondern eine Aufgabe, die wir erfüllen.


🪞 Das Bild vom Spiegel

Um das zu verstehen, hilft wieder ein Blick in die antike Welt. Dort stand im Tempel ein „Bild" – meistens eine Statue eines Gottes. Dieses Bild hatte eine konkrete Funktion:

  • Es machte den Gott gegenwärtig für die Menschen
  • Es vermittelte Macht und Einfluss der Gottheit
  • Es brachte die Anbetung der Menschen zurück zu Gott

👉 Der Mensch als zweiseitiger Spiegel

Genau diese Funktion hat der Mensch. Er ist wie ein Spiegel, der in zwei Richtungen zeigt:

🔹 Von Gott zur Welt
→ Gottes Liebe, Ordnung und Weisheit in die Welt hineintragen

🔹 Von der Welt zu Gott
→ Lob, Dank und Anbetung zurück zu Gott bringen

Vereinfacht gesagt:

Menschen sind dazu da, Gott in der Welt sichtbar zu machen – und die Welt vor Gott zu bringen.


🌱 Unsere eigentliche Aufgabe

Wir wurden also mit einem klaren Auftrag geschaffen:

  • Gottes gute Ordnung in die Welt zu bringen
  • Verantwortung zu übernehmen
  • Die Welt „zum Blühen" zu bringen

❗ Aber: Wir verdrehen das oft

Statt unserer Bestimmung gerecht zu werden, kippt unser Handeln häufig ins Gegenteil:

Eigentlich sollen wir... Stattdessen tun wir oft...
dienen kontrollieren
bewahren ausnutzen

Das Problem ist nicht die Aufgabe selbst – sondern wie wir unser Leben nach ihr ausrichten.


👑🙏 „Königliche Priester" – zwei Seiten unserer Berufung

Die Bibel beschreibt unsere Aufgabe mit einem starken Bild: Menschen sind „königliche Priester" (vgl. 1. Petrus 2,9). Dieses Doppelwort fasst beide Richtungen des Spiegels zusammen:

👑 Königlich – Verantwortung für die Welt

  • gestalten
  • ordnen
  • für Gerechtigkeit sorgen
  • Leben fördern

→ Kurz: Gottes gute Herrschaft widerspiegeln.

🙏 Priesterlich – Verbindung zu Gott

  • anbeten
  • danken
  • die Welt vor Gott bringen

→ Kurz: Die Stimme der Schöpfung werden.

🎯 Zusammengefasst:

Wir sollen die Welt gestalten – und Gott anbeten.


🎵 Die Schöpfung lobt Gott – aber wir geben ihr eine Stimme

Die ganze Schöpfung „lobt" Gott bereits auf ihre Weise:

  • Bäume wachsen
  • Tiere leben
  • Natur entfaltet sich

Aber nur Menschen können das bewusst ausdrücken:

  • Wir können verstehen, was geschieht
  • Wir können Worte dafür finden
  • Wir können Gott dafür danken

Menschen sind wie die „Stimme der Schöpfung".
Wir bringen in Worte, was die Welt längst tut – und geben ihr damit eine Stimme vor Gott.


✨ Jesus: Das perfekte Ebenbild

Im Neuen Testament wird etwas Entscheidendes gesagt: Jesus ist das „Ebenbild Gottes" (Kolosser 1,15).

Das bedeutet zweierlei:

  • Er zeigt perfekt, wie Gott ist
  • Er lebt perfekt, was ein Mensch sein soll

Und: Jesus verbindet beide Seiten unserer Berufung vollständig in sich:

👑 König → bringt Gottes Ordnung in die Welt
🙏 Priester → gibt sich Gott vollkommen hin

In Jesus sehen wir also nicht nur, wie Gott ist – sondern auch, wie Menschsein eigentlich gedacht war.


🌅 Unsere Berufung heute

Durch Jesus dürfen wir wieder zu dem werden, wozu wir ursprünglich geschaffen sind:

  • Teil von Gottes Wirken in der Welt
  • Teil seiner Gegenwart
  • Teil seiner Erneuerung

Wir stehen „zwischen Himmel und Erde" – als Verbindung zwischen beiden.


❤️ Die Kernaussage

Ebenbild Gottes zu sein heißt:
Gottes Liebe und gute Ordnung in die Welt bringen – und die Welt in Lob und Dank zu Gott zurückführen.

⚠️ Wichtig: Nicht aus Druck, sondern aus Beziehung

Das geschieht nicht aus Leistungsdruck, sondern wächst aus einer Beziehung:

  • weil Gott uns zuerst liebt
  • weil er uns nahe ist
  • weil wir aus seiner Gegenwart heraus leben

Wir spiegeln also nicht uns selbst – sondern das, was wir von Gott empfangen.


💬 Gesprächsimpulse für den Hub

🔹 Zum Einstieg

  • Was hast du bisher unter „Ebenbild Gottes" verstanden?
  • Was überrascht dich an der Idee „Aufgabe statt Eigenschaft"?
  • Welcher Teil spricht dich mehr an: „königlich" oder „priesterlich"? Warum?

🔹 Für den Alltag

  • Wo kannst du ganz konkret „Gottes Ordnung" in dein Umfeld bringen – in der Familie, im Job, im Freundeskreis?
  • Wie kannst du „die Stimme der Schöpfung" sein? Wo findest du Worte für das, was Gott tut?